Die UEFA leitete zunächst Ermittlungen gegen Manuel Neuer ein, der eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben trug und hat nun, nachdem die Ermittlungen gegen Neuer eingestellt wurden, der Stadt München verboten die Allianz-Arena in Regenbogenfarben zu beleuchten.

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass man die Arena in Regenbogenfarben beleuchten möchte?
Anlass der Idee ist ein jüngst in Ungarn verabschiedetes Gesetz, welches verbietet Kinder und Jugendliche über LGBT+-Themen aufzuklären. Seit Tagen sind Aktivisten in Ungarn mit vielen Menschen auf der Straße um gegen das Gesetz zu demonstrieren. Nun wollte auch München mit der Allianz-Arena ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz und gegen Diskriminierung setzen. Doch die UEFA als Mieterin des Stadions verbietet das. Stattdessen werden für die Illumination Ausweichtermine vorgeschlagen wie zum Beispiel der Christopher Street Liberation Day am 28. Juni oder während der CSD-Woche in München die vom 03. bis zum 09. Juli geht. Doch wie viel bringt das Ganze dann noch? Wahrscheinlich nicht sehr viel, da die Aufmerksamkeit der Ungarischen Medien mitnichten auf der Allianz-Arena liegen dürfte, wenn man dort nicht mal mehr spielt.

Und was war da mit Manuel Neuers Kapitänsbinde?
Bevor die Idee der bunten Beleuchtung der Arena überhaupt aufkam gab es bereits den ersten kleinen Aufreger. Manuel Neuer, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, hat bei den Spielen gegen Frankreich und Portugal eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben getragen. Die Aktion missfiel der UEFA die daraufhin Ermittlungen einleitete weil die Armbinde gegen das Regelwerk verstoßen hat. Doch schon am Abend ist die UEFA zurückgerudert und hat die Überprüfung eingestellt. Die Armbinde sei nur ein “Zeichen der Mannschaft für Vielfalt und damit als ‘good cause’ bewertet”, so der DFB in einer Mitteilung via Twitter.

EqualGame

Die UEFA startete 2018 die Kampagne EqualGame in der für mehr Toleranz und Vielfalt im Fußball geworben wird.

“Rassismus, Homophobie, Sexismus und alle Formen der Diskriminierung sind ein Schandfleck für unsere Gesellschaft – und stellen eines der größten Probleme dar, mit denen der Fußball heute konfrontiert ist. Diskriminierendes Verhalten hat sowohl die Spiele selbst als auch außerhalb der Stadien die Kommunikation im Netz rund um den Sport, den wir lieben, beeinträchtigt.” heißt es in der gleichen Pressemitteilung in der auch das Verbot der außergewöhnlichen Beleuchtung der Arena begründet wird:

 

Die UEFA ist jedoch aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage – eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt – muss die UEFA diese Anfrage ablehnen. – UEFA-Pressemitteilung

Um Anstelle der Münchner Allianz-Arena Farbe zu bekennen, haben sich bereits zahlreiche Stadien gemeldet, die sich mit der ungarischen LGBT+ Community solidarisch zeigen, sowie ein Zeichen für mehr Toleranz und Vielfalt setzen wollen. Unter anderem in Berlin, Wolfsburg, Frankfurt am Main, Köln, Augsburg, Dortmund mit dem dt. Fußballmuseum, Bremen und viele weitere Orte. Andere Vereine zeigen sich mit der Aktion solidarisch, können aber aus technischen Gründen nicht daran teilnehmen: Mainz, Dortmund mit dem Signal Iduna Park, Mönchengladbach oder Bochum.

Twitterte Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann.

Kritik von Oberbürgermeister und Ministerpräsident

Münchens OB Dieter Reiter ist genau so enttäuscht wie viele andere: “Ich glaube nicht, dass sich die UEFA mit einer solchen Entscheidung als weltoffener und moderner und toleranter Verband zeigt”, sagte er. Und auch Bayerns Ministerpräsiden Markus Söder zeigt sich enttäuscht. Die Entscheidung bezeichnete er als: “”Zurückziehen, als Ängstlichkeit” vor einer klaren Haltung. Das sei schade und “ehrlich gesagt auch schwach”.
Neben den beiden Politikern haben viele weitere Personen des öffentlichen Lebens die Entscheidung der UEFA scharf Kritisiert.

Kommentar von Programmchef Dennis Ballay:

Der Grund für das Handeln der UEFA lässt sich ziemlich schnell finden: sehr wahrscheinlich ist Viktor Orbán heute in dem Münchner Station zu Gast. Diesen möchte man sicher nicht vergraulen, zumal Budapest als Ersatzspielstätte für das Finale dient und mit Sándor Csányi ein Ungar im Exekutivkomitee der UEFA sitzt. Darüber hinaus hat man mit Sankt Petersburg einen weiteren Spielort in einem LGBT-feindlichen Land und mit Gazprom einen Sponsor aus eben dem selben Land. Da ist ein Stadion in Regenbogenfarben wohl nicht ‘politisch korrekt genug’. Die UEFA hätte klar Stellung beziehen können und auch müssen, um ihre EqualGame-Kampagne nicht ad absurdum zu führen und um ein Zeichen zu setzen, dass der Fußball allen Menschen gehört egal welche Hautfarbe, welches Geschlecht und welche Orientierung sie haben. Ein Fußball eben wie man ihn sich wünscht. Viele prominente Personen und Politiker kritisieren das Verbot durch die UEFA scharf. Es macht einen großen Unterschied, ob man immer nur davon redet LGBT+ zu unterstützen oder auch wirklich danach lebt. Wenn sich die UEFA da mal kein Eigentor geschossen hat.

Update: Orban hat seinen Besuch in München abgesagt. Er appellierte an die deutsche Politik, das Verbot der UEFA zu akzeptieren. “Ob das Münchner Fußballstadion oder ein anderes europäisches Stadion in Regenbogenfarben leuchtet, ist keine staatliche Entscheidung” sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

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