Heute Nacht werden wieder Millionen Uhren zurückgestellt. Armband-, Kirchturm-, Bahnhofs-, Küchenuhren und viele Wecker sind dann wieder in der Winterzeit unterwegs. Im Krieg eingeführt, zwischenzeitlich wieder abgeschafft hat die Zeitumstellung einiges erlebt. Und jetzt wird seit einigen Jahren diskutiert sie wieder abzuschaffen.

Ihre Anfänge hat die Zeitumstellung auf Sommerzeit im deutschen Kaiserreich während des ersten Weltkriegs. Von 1916 bis 1918 gab es die ersten Umstellungen auf Sommer-, bzw. Winterzeit, in den Jahren 1919 bis 1939 gab es wieder keine Zeitumstellung. Erst im Kriegsjahr 1940 wurde die Zeitumstellung wieder eingeführt. Eigentlich sollte diese Regelung nur bis zum 6 Oktober 1940 schon wieder enden, wurde jedoch vier Tage vor dem Ablauf außer Kraft gesetzt. Damals hieß es im Reichsgesetzblatt: „Die […] durch Verordnung […] bestimmte Zeitrechnung bleibt bis auf weiteres bestehen.“ So galt vom 01. April 1940 bis zum 2. November 1942 Sommerzeit. In den restlichen Kriegsjahren gab es immer wieder unregelmäßige Unterbrechungen durch „Verordnungen über die Wiedereinführung der Normalzeit.“

Als der zweite Weltkrieg 1945 endete bestimmten die Besatzungsmächte über die Zeitumstellung der Jahre 1945 bis 1949. Danach folgte eine große Pause, bis 1978 schließlich die Bundesrepublik Deutschland beschloss, sich an die Nachbarländer anzupassen die die Sommerzeit bereits 1977 als Nachwirkung der Ölkrise 1973 aus energiepolitischen Gründen eingeführt hatten. Daneben musste man sich auch mit der DDR über die Einführung der Sommerzeit einigen, damit Deutschland und besonders Berlin nicht auch noch zeitlich geteilt waren. Die BRD und die DDR führten, mit Ausnahme der Exklave Büsingen am Hochrhein, gleichzeitig die Sommerzeitumstellung ein. Büsingen richtete sich an die Schweiz und führte deshalb die Sommerzeit erst 1981 ein.

In der DDR regelte die ‚Zeitordnung‘ in Verbindung mit der für jeweils nur ein Jahr gültige ‚Verordnung über die Einführung der Sommerzeit‘ die Umstellung. Das Thema war damals politisch sehr aufgeladen, was auch im Herbst 1980 deutlich wurde, als die DDR plötzlich ankündigte, die Sommerzeit bereits nach dem ersten Jahr wieder abzuschaffen. Dieser Plan wurde in der BRD als Abgrenzung zum Westen verstanden und sorgte für gewisse Turbulenzen. Schließlich blieb man dann doch bei der abgesprochenen Vorgehensweise.

Im Jahr 1981 wurde der Beginn der Sommerzeit vorverlegt und seit 24 Jahren gelten in der Europäischen Union die gleichen Sommerzeitregelungen. Damit gilt seit 1996 die Sommerzeit in Deutschland einen Monat länger, also nun 30 oder 31 Wochen.

Die Umstellung von der Normal- auf die Sommerzeit findet am letzten Sonntag im März um 1:00 Uhr UTC, also in der mitteleuropäischen Zeitzone von 2:00 Uhr MEZ auf 3:00 Uhr MESZ, statt.

Die Umstellung von der Sommer- auf die Normalzeit findet am letzten Sonntag im Oktober um 1:00 Uhr UTC, also in der mitteleuropäischen Zeitzone von 3:00 Uhr MESZ auf 2:00 Uhr MEZ, statt.

In der jüngsten Zeit werden Stimmen lauter, die die Abschaffung der Zeitumstellung fordern. Die EU hatte dazu eine große Online-Umfrage gestartet, welche vom 05. Juli bis zum 18. August 2018 lief. 500 Millionen EU-Bürger hatten so die Möglichkeit sich zu ihren Erfahrungen und zur Frage der Beibehaltung oder Abschaffung der Zeitumstellung zu äußern. Mit mehr als 4,6 Mio. Antworten stellt die Befragung einen neuen Rekord dar. In der als nicht repräsentativ geltenden Umfrage sprachen sich 84% der Teilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus.

Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse am 31. August 2018 kündigte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker an, die EU-Kommission werde, entsprechend dem ermittelten Bürgerwillen, eine Abschaffung der Zeitumstellung anstreben.

Das sich dies aufgrund der jeweiligen nationalen Gesetze als schwierig erweist, zeigt auch, dass die Zeitumstellung weiter zwei mal im Jahr stattfindet. Schwierig ist auch die Frage zu beantworten, ob es eine permanente Sommer- oder Winterzeit geben soll. So würde die Sonne im Nordwesten Spaniens bei einer dauerhaften Sommerzeit im Winter erst nach 10 Uhr vormittags aufgehen, im Osten Polens bei einer permanenten Normalzeit im Sommer bereits gegen 3 Uhr nachts. Da auch schon mit der aktuellen Regelung die Sonne in Warschau im Dezember vor 15:30 Uhr untergeht, wird in Polen von einem Großteil der Bevölkerung und parteiübergreifend im Parlament eine dauerhafte Sommerzeit befürwortet.

So bleibt uns bis auf weiteres wohl nur zwei mal im Jahr der Griff zur Uhr.