Das Coronavirus legt das kulturelle Leben lahm Wo Großveranstaltungen ausfallen und was das für die Veranstaltungswirtschaft bedeutet

Geschrieben von am 10. März 2020

Viele Bundesländer sagen Großveranstaltungen, wie Messen und Konzerte wegen des Coronavirus ab, Fußballspiele werden ohne Zuschauer ausgetragen. Dies soll dazu beitragen die Ausbreitung des Virus einzudämmen. 

Viele Veranstaltungen über 1.000 Menschen werden abgesagt. Dies ist die Folge der Bundesländer auf die Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der Sonntag empfahl, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen vorerst nicht stattfinden zu lassen.

Bundeseinheitliche Regeln im Umgang mit Großveranstaltungen “Wir können da keinen Flickenteppich haben” forderte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). “Bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag muss es möglichst zu einer bundesweiten Verabredung kommen, wie wir damit umgehen.”

In vielen Regionen Deutschlands fällt der Unterricht bis auf weiteres aus. Eine generelle Schließung von Schulen und Kitas ist zur Zeit noch in keinem Bundesland vorgesehen.

Die Bundesländer:

Baden-Württemberg: Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen finden bis auf weiteres nicht mehr statt.

Bayern: keine Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen bis einschließlich 19. April, bei Veranstaltungen mit 500 bis 1.000 Personen sollen die Behörden eine Risikobewertung vornehmen.

Bremen: In Bremen hat die Stadt alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen untersagt. Veranstaltungen ab 250 Personen müssen beim Ordnungsamt angezeigt werden und bestimmte Auflagen erfüllen. Die Verordnung gilt bis zum 26. März.

Hessen: Die Hessische Landesregierung in Wiesbaden empfiehlt eine Absage aller Veranstaltungen über 1.000 Personen.

Nordrhein-Westfalen: Hier ist nach Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann von der CDU der Erlass zum Coronavirus der Bundeslandes für Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmenden zeitlich nicht befristet und bindend. Für betroffene Firmen teilte die Regierung mit, dass Überbrückungskredite zur Verfügung stehen.

Rheinland-Pfalz: Hier empfiehlt das Land die Absage aller Veranstaltungen über 1.000 Gästen in geschlossenen Räumen. Diese sollten in der Regel bis Ende April nicht mehr stattfinden, so die Landesregierung.

Saarland: Im Saarland empfiehlt die Landesregierung die Absage aller Veranstaltungen über 1.000 Personen.

Schleswig-Holstein: Im nördlichsten Bundesland plant die Landesregierung Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmenden zu untersagen. Dies habe das Kabinett nach einem Vorschlag von Heiner Karg (FDP), dem Gesundheitsminister des Landes Schleswig-Holstein, beschlossen.

Thüringen: Hier hat das Land eine Weisung an die Kommunen herausgegeben, laut der keine Veranstaltungen mit über 1.000 Personen mehr stattfinden sollen. Veranstaltungen mit 500 bis 1.000 Teilnehmenden sollten nach Prüfung nur im Ausnahmefall erlaubt werden.

Berlin: Der Berliner Kultursenat hat entschieden alle Veranstaltungen in den großen Sälen der staatlichen Theatern, Opern- und Konzerthäusern nicht mehr stattfinden zu lassen. Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) empfiehlt diese Maßnahme, welche vom 11. März bis zum 19. April gelte, auch den großen Privattheatern. Für Veranstaltungen unter 500 Personen muss weiterhin eine Risikobewertung nach den Vorgaben des Robert-Koch Instituts durchgeführt werden. Auf Basis dessen müsse dann eigenverantwortlich entschieden werden, Veranstaltungen stattfinden zu lassen.

Die Bundesländer Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt gaben aktuell noch keine Empfehlungen oder Anordnungen heraus.

Was bedeutet das für die Veranstaltungsbranche?

In einem offenen Brief von 10 großen Dienstleistern der Veranstaltungsbranche, welcher uns vorliegt, Beklagen die Unternehmen, dass in wenigen Tagen die Umsätze um 90% weggebrochen sind. “Die Veranstaltungswirtschaft besteht aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Unternehmen aus den Bereichen Veranstaltungstechnik, Messebau, Logistik, Agenturen, Locations, etc. – vom Kleinunternehmen und mittelständischen Unternehmen mit bis an die 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Branche mit ihren mehreren 10.000 Mitarbeitern ist direkt bedroht.”

So treffe nicht nur die hohe Absagerate, sondern auch der massive Rückgang an Neuaufträgen und die nicht abzusehende Entwicklung diesen Wirtschaftszweig und die damit verbundenen Unternehmen “bereits unmittelbar und mit voller Wucht.”

“Nur für den Messebau-Bereich beläuft sich der bisher entstandene Gesamtschaden auf über 1 Milliarde Euro (Schadensreport der deutschen Messebaubranche, R.I.F.E.L. Institut, Berlin, 02.03.2020). Die Schadenssummen aus den anderen Bereichen der Veranstaltungswirtschaft werden diese Zahl noch drastisch erhöhen.” so der Brief weiter.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stellte nach einem Treffen seiner Länderkollegen Hilfe in Aussicht. So gebe es bereits ein Maßnahmenbündel, ein Volumen von mehreren Milliarden Euro umfassend. “Wir wollen, dass möglichst kein Unternehmen in Deutschland nur aufgrund der Corona-Epidemie in die Insolvenz gehen muss” so der CDU-Politiker.

Das Bundeskabinett bringt neue Regeln für die Kurzarbeit in den Betroffenen Unternehmen auf den Weg. Der entsprechende Gesetzentwurf soll bis Anfang April von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden und in der ersten Aprilhälfte in Kraft treten.

So bleibt abzuwarten, wie die restlichen Bundesländer sich im Umgang mit Großveranstaltungen entscheiden und wie sich das Coronavirus weiter auf die Weltwirtschaft auswirkt.

Von Dennis Ballay mit Informationen von tagesschau.de und swr.de; Stand: 10.03.2020 22 Uhr


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